Prüfprozesseignung: Schulung nach VDA 5 & ISO 22514-7
Eine alte Weisheit sagt: „Man kann nur so genau fertigen, wie man messen kann!“ Das heißt, man muss zu jedem Messwert die Messunsicherheit des Mess- und Prüfprozesses kennen, um den Messwert im Verhältnis zu den Spezifikationsgrenzen beurteilen zu können. Die Vorgehensweise zur Bestimmung der erweiterten Messunsicherheit ist im VDA Band 5 bzw. in der ISO 22514-7 beschrieben und dient als Nachweis für Prüfprozesseignung. Darüber hinaus erläutert der VDA 5 für eine ganzheitliche Betrachtung, wie ein Prüfprozessmanagement zu funktionieren hat.
Wir veranschaulichen Ihnen beide Schwerpunkte in dieser VDA 5 Schulung im Hinblick auf die Prozessfähigkeit. Dabei nutzen wir soweit wie möglich Softwareprogramme und zeigen die Anwendung der Verfahren anhand von Praxisbeispielen. Dieses Training fokussiert sich auf ein Qualitätsmanagement, in dem VDA Band 5 zur Anwendung kommt. Dazu gehören produzierende Unternehmen u. a. aus der Automobilindustrie.
Einen kurzen Ausblick auf die Inhalte dieser Schulung zur Prüfprozesseignung gibt auch das Video zur Bestimmung der Messunsicherheit und Fähigkeitskennwerte gemäß VDA 5 und ISO 22514-7.
Schulung für Prüfprozesseignung gemäß VDA 5 und ISO 22514-7 im Detail
1. Tag „Eignungsnachweise“
- Hinweise zu den Anforderungen der GUM
(Guide to the Expression of Uncertainty in Measurement) - Bestimmung der Einflusskomponenten
- Visualisierung im Ishikawa Diagramm
- Berechnung der Standardunsicherheitskomponenten für das Messsystem
- Berechnung der Standardunsicherheitskomponenten für den Messprozess
- Berechnung der erweiterten Messunsicherheit und der Kennwerte QMS, QMP (Prozessfähigkeit)
- Stabilitätsbetrachtung und Konformitätsbewertung
2. Tag „Prüfprozessmanagement“
- Begriffe und Definitionen
- Auswahl geeigneter Messgeräte bzw. Messmittel auf Basis von Prüfplänen
- Risikobewertung und Entscheidungskriterien
- Optimierung und Übertragbarkeit auf ähnliche Messprozesse
- Dashboard für Statusübersicht
- Beschreibung von Rollen bei Prüfprozessmanagement
Weiterführende Informationen
Was bedeutet Prüfprozessfähigkeit oder Prüfprozesseignung?
Im Qualitätsmanagement gibt es unterschiedlichste Normen zu den Themen Prüfprozessmanagement, Messunsicherheit und Eignungsnachweisen, in denen die Begriffe Prüfprozesseignung und Prüfprozessfähigkeit synonym verwendet werden.
Prüfprozesseignung laut VDA Band 5 bedeutet, dass ein Prüfprozess unter definierten Anforderungen dazu geeignet ist, einen Prüfentscheid zu erzielen. Dabei wird die Eignung anhand von Fähigkeitsindizes bewertet, die auch als Eignungskennwerte bezeichnet werden. Diese Fähigkeitsindizes liefern eine Aussage darüber, ob ein Prüfprozess dazu in der Lage ist, die entsprechend geforderte Prüfaufgabe mit ausreichender Genauigkeit und Wiederholbarkeit zu erfüllen.
In vielen Fällen wird gefordert, dass ein Prüfprozess fähig und stabil ist. Um diese Anforderung zu erfüllen, müssen zusätzlich seine Lage und Streuung über die Zeit konstant bleiben, d. h. es dürfen keine Trends oder systematischen Veränderungen auftreten.
In der ComPro VDA 5 Schulung lernen Sie alles über die zugehörigen Grundlagen, Methoden und die praktische Umsetzung in der industriellen Fertigung.
Wie gehören Prüfprozesseignung und Messunsicherheit zusammen?
Prüfprozesseignung bedeutet, dass ein Prüfprozess dazu in der Lage ist, zuverlässige und reproduzierbare Ergebnisse zu liefern und somit zwischen Gut- und Schlechtteilen zu unterscheiden. Im Normalfall wird dieser Nachweis durch die Berechnung von Fähigkeitsindizes erbracht. Jedoch gewinnt die Messunsicherheit immer mehr an Bedeutung, da sie als alternative oder ergänzende Methode für den Eignungsnachweis eines Prüfprozesses eingesetzt wird. Doch warum ist das so?
Die Messunsicherheit berücksichtigt alle relevanten Einflussgrößen (z. B. Wiederholbarkeit, Reproduzierbarkeit, Kalibrierunsicherheit) und ermöglicht eine quantitative Abschätzung des Risikos, dass ein Produkt fälschlich als konform oder nicht konform beurteilt wird. Aus diesem Grund ist sie auch in Richtlinien wie dem VDA 5, ISO 14253 und der GUM verankert.
Da die erweiterte Messunsicherheit als Eignungsnachweis für Prüfprozesse dienen kann, insbesondere dann, wenn klassische Fähigkeitskennzahlen nicht anwendbar oder aussagekräftig genug sind, kommt auch sie in der ComPro VDA 5 Schulung einen großen Platz ein.
Wie berechnet man die Messunsicherheit gemäß VDA 5?
Sobald ermittelt wurde, welche Einflussgrößen auf das Messsystem bzw. den Messprozess wirken, wird für jede dieser Größen zunächst die Standardunsicherheit bestimmt. Dazu werden entweder Messreihen ausgewertet (Methode A) oder Vorinformationen verwendet (Methode B).
Im Anschluss erfolgt die Berechnung der kombinierten Standardunsicherheit, indem alle Beträge der zuvor ermittelten Standardunsicherheiten quadratisch addiert werden. Zuletzt wird die erweiterte Messunsicherheit bestimmt. Dazu wird die kombinierte Messunsicherheit mit dem Erweiterungsfaktor k multipliziert.
Die erweiterte Messunsicherheit bildet zusammen mit dem ursprünglichen Messwert ein Intervall, in dem der wahre Wert mit der gewählten Wahrscheinlichkeit liegt.
Welche Kennwerte werden in VDA 5 und ISO 22514-7 verwendet?
QMP ist gemäß VDA 5 und ISO 22514-7 der Eignungskennwert des Messprozesses, definiert als Prozentwert des Verhältnisses zwischen der doppelten erweiterten Messunsicherheit und der Toleranz. Er bildet die Bewertungsgrundlage, weil damit die Messunsicherheit auf die Toleranz bezogen wird. QMS bezieht sich dementsprechend auf das Messsystem.
CMP gilt laut ISO 22514-7 als Fähigkeitskennwert für den Messprozess und beschreibt das Verhältnis der Toleranzbreite zur Streuung des Messprozesses. CMS gilt dementsprechend für das Messsystem.
VDA 5 nutzt den Fähigkeitsindex Cg, um die Fähigkeit des Messsystems zu beschrieben. Diese Kenngröße bezieht sich auf die Prüfmittelfähigkeit, also ob die Streuung des Messsystems in Bezug auf die Toleranz klein genug ist.
Gleiches gilt für den kritischen Fähigkeitsindex Cgk, der zusätzlich die systematische Abweichung berücksichtigt und damit die Zentrierung des Messsystems.