MSA Schulung: Prüfmittelfähigkeit gemäß MSA-Manual (AIAG) und Firmenrichtlinien
Als Anfang der 80er Jahre in der Industrie SPC (Statistical Process Control) eingeführt wurde, ging dies mit der Werker-Selbstprüfung einher. Damit war der Werker für die Qualität seiner produzierten Teile verantwortlich. Um die produzierten Merkmale beurteilen zu können, wurde fertigungsnah sogenannte SPC-Messplätze etabliert. Für die verwendeten Messgeräte wurden Fähigkeitsuntersuchungen durchgeführt, um deren Eignung für den konkreten Anwendungsfall nachzuweisen.
Wegweisend für die Vorgehensweise war das AIAG MSA-Manual (Measurement Systems Analysis), das im Laufe der Jahre kontinuierlich verbessert wurde und auf Basis dessen Firmenrichtlinien abgeleitet wurden. In einem Leitfaden der deutschen Automobilindustrie wurden weitere Kennwerte zur Bewertung des Messsystems eingeführt. Dieses MSA Training stellt Ihnen die Ansätze der Prüfmittelfähigkeit vor und vermitteln Ihnen das notwendige Fachwissen. Dabei lernen Sie alle Verfahren sowie Kenngrößen kennen, die zur Beurteilung eines Messsystems oder Messprozesses notwendig sind.
Unser MSA Training zur Prüfmittelfähigkeit im Detail
Beurteilung Messsystem:
- Typische Einflüsse
- Bewertung Auflösung
- Kalibrierunsicherheit
- MSA Verfahren 1 (Type-1 Study)
- Untersuchung der Linearität
- Berechnung der Kennwerte Cg, Cgk
- Übertragbarkeit der Ergebnisse
Beurteilung Messprozess:
- Typische Einflussgrößen
- MSA Verfahren 2 (Type-2-Study) bzw. Verfahren 3 (Type-3 Study)
- Berechnung der Kennwerte %EV, %R&R, %GRR
- Stabilitätsbetrachtungen
- Umgang mit nicht geeigneten Messprozessen
Weiterführende Informationen
Was bedeutet MSA?
MSA hat zwei Bedeutungen:
Die Abkürzung steht zum einen für das MSA Manual (Measurement Systems Analysis) der AIAG (Automotive Industry Action Group). Die aktuell 4. Auflage gilt als Referenzhandbuch für die Beurteilung von Messsystemen (Mess- und Prüfmitteln) in der Automobilindustrie und ist ein Baustein für die Qualitätssicherung nach IATF 16949. Dieses Handbuch bildet die Grundlage dieser MSA Schulung.
Zum anderen steht MSA für Messsystemanalyse. Sie ist die systematische Untersuchung eines Messprozesses, mit dem Ziel, die Eignung des Messsystems für die jeweilige Messaufgabe nachzuweisen. Dabei wird nicht das Produkt bewertet, sondern ausschließlich das Messsystem selbst.
Wann ist eine MSA notwendig?
In der Regel wird eine Messsystemanalyse in folgenden Fällen angewandt, um die Prüfmittelfähigkeit nachzuweisen:
- Bei der Neubeschaffung oder Neueinrichtung von Messsystemen
- Zur Beurteilung bestehender Messsysteme
- Wenn es Zweifel an der Qualität bzw. Korrektheit/Genauigkeit der Messungen gibt
- Bei Änderungen am Messprozess oder am Produkt
- Zur Erfüllung von Normen und Kundenanforderungen
Welche MSA Verfahren gibt es?
Das Verfahren 1 wird bei Herstellern von Messmitteln verwendet, um nachzuweisen, dass ein Messystem dazu geeignet ist, eine spezielle Aufgabe zu erfüllen. Messsystem ist hierbei gleichzusetzen mit dem Mess- bzw. Prüfmittel selbst. Das Verfahren 1 laut MSA Manual stellt fest, ob das Messmittel auch unter der Auswirkung möglicher Einflussgrößen genau misst und die Messergebnisse wiederholbar sind. Der Bedienereinfluss wird nicht berücksichtigt. Erst im Anschluss an diese Beurteilung werden Messmittel verschickt oder installiert.
Die Verfahren 2 und 3 beurteilen das Messsystem unter realen Einsatzbedingungen. Verfahren 2 beurteilt neue und vorhandene Messmittel vor der Endabnahme im Werk unter Berücksichtigung aller Einflussgrößen, auch des Bedienereinflusses. Verfahren 3 ist ein Sonderfall von Verfahren 2 und wird bei vollautomatischen Messsystemen eingesetzt, wenn alle Einflussfaktoren bis auf den Bedienereinfluss im realen Einsatz greifen.
Die MSA Verfahren 1, 2 und 3 werden allesamt in diesem Training erläutert.
Was bedeuten Linearität und Stabilität?
Die Linearität beschreibt, wie konstant die systematische Messabweichung über den gesamten Messbereich eines Messsystems ist. Eine Linearitätsuntersuchung ermittelt, ob ein Messsystem über den gesamten Messbereich gleich genau misst und nicht z. B. bei kleinen Messwerten sehr genaue Werte liefert, aber bei großen Messwerten erhebliche Abweichungen zeigt.
Die Stabilität beschreibt, wie konsistent die Messergebnisse über einen längeren Zeitraum sind. Eine Stabilitätsuntersuchung ermittelt, ob die Messergebnisse eines Messsystems zeitabhängige Veränderungen aufweisen oder nicht, d. h. die heutigen Messergebnisse sollten genauso korrekt sein wie jene, die das Messsystem in einer Woche erfasst.